Themenportal Viajeros Españoles

Biblioteca Cervantes: Viajeros Españoles

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Dazu passend diese Nachricht: Die Biblioteca Cervantes hat wieder einmal ein gut recherchiertes und mit einer Fülle von Materialien angereichertes Themenportal ins Leben gerufen. In ihrem neuesten Webprojekt Viajeros Españoles widmen sie sich den Reisen, die Spanier im Laufe der Geschichte unternommen haben, und bilden das vorhandene, zum Teil digitalisierte, Material dazu ab und verlinken relevante Informationen. Was man im Einzelnen dort finden kann, ist unter Presentación näher beschrieben und in diesen Worten zusammengefasst:

Esta página web pretende reunir, desde una óptica fundamentalmente literaria, el mayor número posible de textos sobre los viajes realizados por españoles a lo largo de la Historia por todo el mundo así como estudios que analizan estos viajes, además de una amplia galería de imágenes, enlaces de interés y una selecta recopilación de referencias bibliográficas.

Einen Einblick, was im Portal jeweils an neuen Dokumenten eingestellt wurde, finden Sie unter Últimos contenidos incorporados. Wieder einmal ein gelungenes Angebot. Vieles ist noch im Aufbau, doch Einiges gibt es schon zu entdecken. Schauen Sie doch mal rein.

[via @librodenotas]

100 Jahre japanische Immigration nach Brasilien: eine Ausstellung der National Diet Library Japan

Japanischer Brasilien-Fan

Japan und Brasilien verbindet ein besonderes Verhältnis. Diesen berechtigten Eindruck konnten Zuschauer des Endspiels der Fußballweltmeisterschaft 2002 zwischen Deutschland und Brasilien in Yokohama gewinnen. Im Stadion fand die brasilianische Mannschaft deutlich stärkere Unterstützung als die deutsche. Die Ursachen dafür? Viele der so ostasiatisch wirkenden Fans dürften besser portugiesisch als japanisch gesprochen haben und in vielen Fällen in Japan lebende und arbeitende Nachkommen japanischer Auswanderer nach Brasilien gewesen sein.

Die Geschichte der wechselseitigen Immigration ist gut einhundert Jahre alt. Ausgelöst durch das Ende der Sklaverei in Brasilien und große Armut vor allem der ländlichen japanischen Bevölkerung unterzeichneten die Regierungen 1907 ein Abkommen, in dessen Folge vor allem Ende der 20er / Anfang der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zahlreiche Japaner nach Brasilien auswanderten. Seit den 80er Jahren gibt es eine gegenläufige Bewegung. Politische und ökonomische Probleme in Brasilien veranlassten viele Brasilianer vor allem japanischer Abstammung zur Immigration nach Japan. Ein japanisches Gesetz aus dem Jahr 1990 erleichtert Ausländern japanischer Abstammung den Zugang zu Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen.

Als Folge der Immigration nach Brasilien lebt noch heute dort die weltweit größte Gruppe von Exiljapanern. Rund 1,5 Millionen Menschen vor allem in der Region um São Paulo verweisen auf ihre japanische Abstammung. Umgekehrt leben etwa 320.000 Brasilianer in Japan. Portugiesisch ist nach Chinesisch und Koreanisch die am dritthäufigsten gesprochene Fremdsprache in Japan.

Einem Teil dieser wechselseitigen Geschichte widmet seit dem 4. März die National Diet Library Japan eine neue virtuelle Ausstellung mit dem Titel 100 anos de imigração japonesa no Brasil bzw. ブラジル移民の 100 年. Die zweisprachige Ausstellung stellt in sieben Kapiteln mit rund 200 Exponaten (Fotos, Artikeln, Briefen etc.) die Geschichte der japanischen Immigration nach Japan vor. Seit 1984 sammelt die National Diet Library exiljapanische Materialien wie Briefe, Zeitungen, japanisches Kartenmaterial, Fotos nicht nur aus Brasilien, sondern auch aus Peru, Hawaii etc. Ressourcen dieser Sammlung ergänzt durch ausführliche erläuternde Texte und Beschreibungen bilden das Kernstück der Ausstellung.

National Diet Library: 100 anos de imigração japonesa no Brasil

Vorgeschichte – Vertragsunterzeichnung bis Beginn der Einwanderung – Bau japanischer Siedlungen – Übersiedlungshilfe durch das Innenministerium – Anwachsen des Nationalismus und Ablehnung japanischer Immigranten – Spaltung des exiljapanischen Gemeinschaft – Wiedervereinigung des exiljapanischen Gemeinschaft bis heute: Die sieben Kapitel beleuchten verschiedene zeitliche Abschnitte und Aspekte der japanischen Immigration nach Japan. Jedes Kapitel gliedert sich in weitere Unterabschnitte. Die historischen Dokumente sind als Bilder und Texte in die Ausstellung eingebunden. Eine Sammlung von Artikeln über verschiedene Randaspekte wie die Immigration und Kaffee, Baseball in Brasilien, oder Haikus von Exiljapanern runden im Verbund mit einem ausführlichen Literatur- und Quellenverzeichnis sowie einer Linksammlung die Ausstellung ab.

Auch außerhalb dieser Ausstellung seien die Seiten der National Diet Library mit ihren hervorragenden Sammlungen allen Nutzerinnen und Nutzern ans Herz gelegt.


Anne Barckow ist Übersetzerin für Japanisch und Koreanisch und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle des vascoda e.V.

Filmreihe zum Spanischen Bürgerkrieg

spanische Filmreihe zum Spanischen Bürgerkrieg im Kino Babylon

Heute Abend beginnt in Berlin eine spanische Filmreihe zum Spanischen Bürgerkrieg im Kino babylon, die bis Ende des Monats laufen wird: »70 Jahre später 1939 – 2009. Das Ende des Spanischen Bürgerkrieges«. Die Reihe gehört zum Rahmenprogramm der Ausstellung „Vom Spanischen Bürgerkrieg zum II. Weltkrieg“, die am 4. März 2009 im Willy-Brandt-Haus eröffnet wurde.

Das babylon zeigt aus Anlass des 70. Jahrestages des Endes des Spanischen Bürgerkrieges 13 spanische Spielfilme aus den Jahren 1989 bis 2007. Die Eröffnung wird mit Carlos Sauras Film „Ay, Carmela!“ am Fr, den 6.3. um 20:00 stattfinden.

Das Programm der Filmreihe mit Informationen zu den einzelnen Filmen sehen Sie auf der Website des Kinos babylon, sowie zum Ausdruck mit den wichtigsten Daten im Überblick auch in diesem PDF (840 kb). Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass der Eintritt frei ist!

Biblioteca Escolar Digital

Biblioteca Escolar Digital de PRIMARIA Der Einzug der neuen Medien und der vernünftige Einsatz des Internets sind in der schulischen Bildung nicht mehr wegzudenken. Dort, wo es mit gut durchdachten didaktischen Konzepten geschieht, ist dies durchaus eine sehr begrüßenswerte Tendenz. Bestes Beispiel dafür ist das Bildungsportal Biblioteca Escolar Digital, konzipiert und ins Leben gerufen von der Fundación Germán Sánchez Ruipérez. Das Angebot versteht sich als…

…una herramienta didáctica para profesores, alumnos, padres, pedagogos e investigadores del mundo de la educación.

Biblioteca Escolar Digital InfantilVon der Eingangsseite aus sind zwei nach Altersstufen gestaffelte Portale zu erreichen: die Biblioteca Escolar Digital de PRIMARIA (s. Abb. oben) und die Biblioteca Escolar Digital Infantil (s. Abb. links). Während der Einsatz der neuen Medien gerade für die zuletzt genannte Zielgruppe der Drei- bis Fünfjährigen meines Erachtens wirklich nur sehr dosiert vorgenommen werden sollte, zeichnet sich das erstgenannte Primaria-Portal durch einen altersgerechten Umgang mit dem Netz aus. Mit interessanten Informationen sowohl für die Lehrenden als auch für die Lernenden. Wenn Sie schon dazu übergegangen sind RSS-Feeds (Info) zu nutzen, empfehle ich Ihnen den Bezug der neuesten Nachrichten durch den Feed Noticias Primaria.

Dort stoßen Sie dann auf so sinnvolle Tipps wie die Mapa Web 2.0, den gelungenen Versuch einer Kartierung des von vielen als verwirrend empfundenen Wirrwarrs aus Mitmach-Diensten:

Mapa Web 2.0

Die gut gruppierte Übersicht ist auf der Seite internality.com/web20 mit einer Creative Commons Lizenz (Info) zur freien Nachnutzung veröffentlicht worden und wird dort in verschiedenen Formaten zum Download angeboten. Etwa als PDF mit allen Links auf die aufgeführten Dienste, oder als Wiki: Mapa Web 2.0.

Wir werden das gut gemachte Bildungsportal jedenfalls in die Iberolinkscibera, den Fachinformationsführer der Virtuellen Fachbibliothek cibera, aufnehmen. Vielleicht schauen Sie sich die Biblioteca Escolar Digital ja einmal an.

[via Libro de Notas]

Neue Kommentatoren auf Público – Antonio Orejudo zur spanischen Vergangenheitsbewältigung

Opinión: Neue Mitglieder bei Público Die spanische Zeitung Público, die wir Ihnen im Juni schon einmal vorgestellt haben, hat ihre Sektion Opinión durch eine Vielzahl neuer Kommentatoren erweitert. Dazu zählen so renommierte Persönlichkeiten wie der Hispanist Ian Gibson, der Politologe und Schriftsteller Carlos Taibo, der Verfassungsrechtler Francisco Balaguer oder die gerade erst mit dem Premio Espasa de Ensayo ausgezeichnete1 Schriftstellerin und Journalisten Ana R. Cañil. Alle neuen Kommentatoren finden Sie in der Vorstellung auf Público.

Ein Mitglied der erweiterten Rubrik »Opinión«, der Historiker und Schriftsteller Antonio Orejudo2, ist in diesen Tagen in deutscher Übersetzung in der Neuen Zürcher Zeitung zu lesen. Anlässlich der Anklage des Untersuchungsrichters Baltasar Garzón gegen Francisco Franco und gegen weitere Personen wegen möglicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit und unter Bezug auf die Öffnung von Massengräbern, darunter dem von Federico García Lorca, beschreibt Orejudo, wie schwer Spanien sich noch immer mit der Bewältigung seiner jüngeren Vergangenheit tut. Und er findet dabei deutliche und treffende Worte:

Kein Land kann seine Geschichte auf der Fälschung seiner Vergangenheit aufbauen. Nicht weil dies unmoralisch ist, sondern weil es – wie unmoralisch auch immer – unmöglich ist. Früher oder später tritt die Vergangenheit ans Licht, und die Gemordeten ziehen ihre Mörder zur Rechenschaft.
[…]
Der spanische Staat wäre dazu längst verpflichtet gewesen, ohne dass ihn eine richterliche Anordnung dazu zwänge. Man hat sich davor gescheut, weil die Baumeister der neuen Demokratie und Erben des Franquismus dessen wahres Antlitz vor der Geschichte verbergen zu können vermeinten: das eines blutrünstigen Unrechtsregimes, das seine Widersacher nach dem Bürgerkrieg physisch und moralisch zu vernichten trachtete.

Lesen Sie weiter in der NZZ: »Franco einsperren, Lorca ausgraben« – Spanien beschäftigt sich weiterhin ungern mit seiner Vergangenheit (NZZ-Artikel vom 5.11.2008).

  1. Siehe Meldung La Vanguardia: La periodista Ana R. Cañil sucede a Boadella en el palmarés del Premio Espasa de Ensayo []
  2. Antonio Orejudo ist in Deutschland auch bekannt durch seinen 2006 erschienenen Roman »Feuertäufer« (»Reconstrucción«), übersetzt von Christian Hansen []

Die Ökonomisierung des politischen Denkens

Die Ökonomisierung des politischen Denkens In der Geschichte Spaniens gilt die Regierungszeit Karls III. (1759 bis 1788) als Hochphase politischer Reformen im Zeichen der Aufklärung. Doch in der europäischen Historiographie zur Aufklärung findet Spanien bestenfalls am Rande statt. Das mag daran liegen, dass spanische Denker nur wenige Ideen von europäischer Tragweite hervorbrachten. Dabei wird aber übersehen, dass Spanien eines der wenigen Länder war, in dem die Vordenker von Reformen auch gleichzeitig die Reformer waren. Die besten Köpfe der spanischen Aufklärung hatten die höchsten Regierungsämter inne. Sie waren nicht ausschließlich Theoretiker, sondern verfolgten konkrete politische Maßnahmen. Eine neue Hamburger Dissertation widmet sich nun der besonderen Form der spanischen Aufklärung in der Zeit Karls III.

Die Autorin Alexandra Gittermann hat dafür erstmals auch die frühen italienischen Regierungsjahre des Königs untersucht, denn als Karl III. den spanischen Thron bestieg, blickte er bereits auf 25 Jahre „Berufserfahrung“ als König von Neapel und Sizilien zurück. Dabei räumt sie überzeugend mit dem vermeintlichen neapolitanischen Einfluss auf das spanische Denken auf. Vielmehr arbeitet sie die starke eigenständige Entwicklung der Aufklärung in zwei streng katholischen Staaten heraus.

Die Dissertation ist soeben erschienen:
Alexandra Gittermann: Die Ökonomisierung des politischen Denkens. Neapel und Spanien im Zeichen der Reformbewegungen des 18. Jahrhunderts unter der Herrschaft Karls III., Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2008 (Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte 13). Verlags-Info.

Brigadistas und Podiumsdiskussion zum Spanischen Bürgerkrieg

Cover Brigadistas
Eine Sängerin trägt Ay Carmela auf einer Abend-
veranstaltung in Zaragossa vor. Foto: D. Burkholz

Hiermit möchten wir auf die Präsentation des Dokumentarfilms »Brigadistas« von Daniel Burkholz hinweisen, die am Dienstag, 15. Juli 2008, um 20 Uhr, im Kino Central, Rosenthaler Str. 39, 10178 Berlin, mit anschließender Podiumsdiskussion („Welche Auswirkungen hat der Spanische Bürgerkrieg auf das Spanien von heute?“) stattfinden wird.

Die Moderation wird der ehemalige MdB und Vorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Prof. Heinrich Fink, übernehmen. Die Widerstandskämpferin Lore Krüger, der Direktor des Cervantes Instituts Berlin Gaspar Cano Peral, die Schriftstellerin Mercedes Alvarez, der
Politologe Prof. Ignacio Sotelo und der Regisseur Daniel Burkholz werden ebenfalls an der Podiumsdiskussion teilnehmen.

El País schrieb über »Brigadistas« im Artikel »Regreso a la trinchera«:

El protagonista absoluto del filme es el testimonio en primera persona de estos hombres y mujeres que se prestaron libremente a luchar por las libertades de un país desconocido al que retornan ahora, en el final de sus vidas, para recibir un agradecido reconocimiento del pueblo español.

Den Trailer zum Film sehen Sie hier:


Direktlink YouTube

Ausführliche Informationen (Hintergrund, Pressespiegel, Fotos) zu »Brigadistas« finden Sie auf den Seiten von Roadside.

Der Film wird im spanischen Original mit deutschen Untertiteln gezeigt. Wer den Dokumentarfilm in Berlin nicht sehen kann, hat noch eine Chance ihn bei der im Rahmen der medica mondiale stattfindenden Aufführung in Köln am Samstag, den 19. Juli ab 21 Uhr zu betrachten (nähere Informationen siehe Roadside).

Spanische Geschichte für die breite Öffentlichkeit

Wer Überblickswerke zum spanischen Weltreich suchte, blieb lange Zeit auf die englischsprachige Historiographie verwiesen. Erst in den letzten Jahren lässt sich anhand vieler deutschsprachiger Neuerscheinungen ein frischer Trend zu zusammenfassenden Darstellungen erkennen, die die Erträge der spezialisierten Forschung synthetisieren und einem breiteren Publikum zugänglich machen.

Die gut lesbare Vermittlung historischer Forschungsergebnisse gewinnt seit einigen Jahren – nicht zuletzt aufgrund des andauernden Rechtfertigungsdrucks auf die Geisteswissenschaften – rasant an Bedeutung. Was es heißt, Fachwissen anschaulich zu gestalten, konnte ich als wissenschaftlicher Berater bei GEO Epoche zum Thema „Weltmacht Spanien“ erleben. Beratung meint hier Mitarbeit bei der Heftkonzeption, Literaturauswahl für die Autoren und kritische Durchsicht der fertigen Artikel (Was macht eigentlich ein Fachberater?).

GeoEpoche: Als Spanien die Welt beherrschte Zwischen Wissenschaft und Journalismus
Plötzlich aus meinem wissenschaftlichen Schreibkontext in den Journalismus versetzt, sah ich das Verfassen von Geschichte mit ganz anderen Augen. Schreiben nicht als Dokumentation des eigenen Erkenntnisgewinns, sondern als Kommunikation mit Lesern. Während ich mir selber gelegentlich vorgaukle, mich an „historisch interessierte Laien“ zu richten, musste ich nun lernen, was es bedeutet, wirklich für historisch interessierte Laien zu schreiben. Bei aller Zuspitzung in journalistischen Texten bedeutet es nämlich in erster Linie erklären und nochmals erklären. Ohne Fußnoten. Personen, Orte, Ereignisse müssen charakterisiert und anschaulich werden. Wer ist das? Wo liegt es? Wie kam es dazu? Das Ganze spannend und unmissverständlich formuliert. Man kann hier ohne weiteres einwenden, dass wissenschaftliches Schreiben keinen Spannungsbogen braucht, Komplexität aufzeigen und nicht kaschieren soll und ohnehin auf einem ganz anderen Abstraktionsniveau angesiedelt ist – doch jeder, der einmal versucht, Philipp II. für den erwähnten Laien in einem Satz zu charakterisieren, wird verstehen, wo die besondere Schwierigkeit liegt.
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