Georg Bossong: Europa, Islam und der goldene Traum von al-Andalus

Mezquita in Córdoba
Foto: Wikipedia

In Bezug auf Navid Kermanis Buch: »„Wer ist Wir?“ Deutschland und seine Muslime« (s. FAZ-Rezension) wirft der in der Schweiz lehrende Romanist Prof. Georg Bossong einen Blick auf die Zeit des Islam auf der Iberischen Halbinsel und auf den Mythos von al-Andalus:

Dabei ist dieser Mythos in sich so widersprüchlich wie viele Mythen; er steht für verschiedene, einander entgegengesetzte historische Ideale. Für das christliche Spanien war der Maure die allgegenwärtige Bedrohung, der Gegner, dem man sich zu stellen hatte, von dem aber auch eine geheime Faszination ausging. Die islamische Eroberung der Iberischen Halbinsel wurde zur existenziellen Katastrophe stilisiert, die eine »Rückeroberung« (reconquista) zur Pflicht machte – und bis heute wirkt dieser Kampf in nationalen spanischen Identitätsdebatten nach. Umgekehrt entwickelte sich al-Andalus für die aus Hispanien vertriebenen Muslime in der verklärenden Rückschau zu einem Paradies, dessen reale Wiederherstellung zwar heute – bei aller Symbolpolitik – niemand mehr ernsthaft anstreben kann und will, von dem man aber als historischem Ideal gerne träumt.

Die Frage, ob der Islam zu Europa gehöre, wird am Ende von Bossongs lesenswertem Artikel beantwortet und soll hier nicht vorweg genommen werden. Zur aufschlussreichen Lektüre bitte hier entlang: Al-Andalus, goldener Traum.

Neue Geschichts-Kolumne auf Libro de Notas: Máquina de perspectiva

Julio Tovar schreibt einmal im Monat auf Libro de Notas: Máquina de perspectiva Viel versprechender Auftakt einer neuen monatlichen Kolumne auf »Libro de Notas«. Immer am 11. eines Monats wird sich Julio Tovar auf »Máquina de perspectiva« mit einem Thema aus der Geschichte befassen. Zum Start der Reihe schrieb er am 11. März:

Afirma Huysmans en su seminal À Rebours que todo hombre cultivado ha tenido alguna vez nostalgia por vivir en el pasado. Más aún, el pasado es un horizonte estable e inerte, más a medida que el reloj avanza de manera inversa. El concepto de cambio, aceptado en occidente desde el siglo XV, es desconocido para sociedades cuyo motor no es el progreso.

¿Y cuál es el interés de la historia? ¿Cuál su objeto? Simplemente la variación, el proceso por el cual nosotros somos diferentes a aquellos que nos preceden. ¿Quién no se ha sentido fascinado alguna vez al ver las fotos de su grupo favorito? De cómo cambian su vestimenta, sus peinados e incluso su música en apenas dos o tres años. Este proceso traspasado a centurias, milenios y de lo visual a todos los ámbitos es simplemente lo que estudiamos: oteando el horizonte y comprobando el movimiento del firmamento.

Lesen Sie den ganzen Text auf »Libro de Notas«: El horizonte de la historia.

TOLETUM – Netzwerk zur Erforschung der Iberischen Halbinsel in der Antike

Toletum ist nicht nur die lateinische Bezeichnung für die spanische Stadt Toledo, sondern auch der Name eines neu gegründeten Netzwerkes zur Erforschung der Iberischen Halbinsel in der Antike. Durch zahlreiche, teilweise spektakuläre archäologische Funde hat die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem antiken Spanien neue Impulse erhalten. Ein solcher Fund ist das 1988 freigelegte römische Theater in Cartagena, das zu seiner Zeit eines der größten in Hispania war.

Toledo
Foto: Wikipedia

Durch ein umfassenderes Verständnis von „Stadtarchäologie“ und den daraus resultierenden Grabungsstätten entstanden neue Forschungsmöglichkeiten, die zu einer wachsenden Zusammenarbeit der verschiedenen Fachdisziplinen führten. Um diese Entwicklung auch in Deutschland nachzuvollziehen, haben sich im letzten Herbst Historiker, Klassische und Provinzialrömische Archäologen, Bauforscher und Klassische Philologen zum Netzwerk TOLETUM zusammengeschlossen.

Toletum - Website

Das Netzwerk will den wissenschaftlichen Austausch anregen und auf dem jährlich stattfindenden Workshop einen Überblick über die aktuellen Arbeiten zur Iberischen Halbinsel in der Antike bieten. Auf der kürzlich eingerichteten Website werden zahlreiche Informationen gebündelt, darunter viele, die sich speziell an Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler richten, und Ansprechpartner genannt, mit denen sich Interessenten in Verbindung setzen können.

Übrigens, sollten Sie neugierig geworden sein: Literatur zur römischen Stadtgründung Toletum und zu vielen anderen Themen der spanischen Geschichte nicht nur in der Antike finden Sie auch bei uns in cibera.cibera

Ein Äquivalent für ein Glas Milch – 50 Jahre Incaparina in Guatemala

In Guatemala feierte vor kurzem Incaparina seinen 50. Geburtstag: Incaparina ist ein Ersatzprodukt für tierisches Eiweiss, das v.a. in der Kinderernährung verwendet wird. Das Wort setzt sich zusammen aus INCAP (=Instituto de Nutrición de Centro América y Panamá) und harina (=Mehl).

INCAP-Gebäude in Guatemala-Stadt INCAP ist ein 1949 gegründetes ernährungswissenschaftliches Institut für ganz Zentralamerika, dessen Sitz in Guatemala-Stadt liegt. Seit den 1950er Jahren erforschte das Institut die Ernährungssituation in der Region und legte dabei einen Fokus auf die Unterernährung von Kindern in ländlichen Regionen Guatemalas. Milch und andere Quellen tierischen Eiweißes waren für die dortige Bevölkerung unerschwinglich.

Incaparina Deshalb begaben sich die Ernährungswissenschaftler auf die Suche nach einem Ersatzstoff. Ihr Ziel war es, ein bezahlbares Äquivalent zu finden, das auf pflanzlichen und lokalen Produkten basiert. Nach einer Reihe von Experimenten wurden sie fündig: Baumwollsamen lieferten die benötigte Protein-Quelle für die erste Incaparina-Formel. Der Zusatz von Mehl und Vitaminen machte die Mischung komplett, die häufig als Atole (ein Getränk auf der Basis von Maismehl) konsumiert wurde.

Der Preis betrug nur ein Drittel des Preises für ein Glas Milch, was Incaparina für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglich machte. INCAP beantragte nie ein Patent für das Produkt, sondern setzte sich zum Ziel, die Idee in Zentralamerika und anderen Weltregionen zu verbreiten. Dabei kooperierte das Institut mit verschiedenen privaten Unternehmen, die die Mischung produzierten. In Guatemala existiert Incaparina bis heute: Die Mischung basiert inzwischen auf Sojamehl und wurde um neue Geschmacksrichtungen erweitert.

Sehen Sie dazu auch das Video 50 Jahre Incaparina:

50 Jahre Incaparina


Dr. des. Christiane Berth
Die Autorin arbeitet an der Universität St. Gallen in der School of Humanities and Social Sciences (Lateinamerikanische und Internationale Geschichte).

Kaffee-Welten: Netzwerke zwischen Norddeutschland und Zentralamerika

Kaffee ist nicht nur ein beliebtes Getränk und für viele Menschen unverzichtbarer Bestandteil des Alltags: Kaffee vernetzte auch unterschiedliche Welten. Über den Kaffee entstanden vielfältige Verflechtungen zwischen Norddeutschland und den kaffeeproduzierenden Regionen in aller Welt. Wirft man z.B. einen Blick auf die Landkarte der Grenzregion zwischen Mexiko und Guatemala finden sich dort Namen wie Germania, Hamburgo und Nueva Alemania. Welche Geschichten verbergen sich dahinter? Der Schlüssel zur Erklärung liegt in der Geschichte des Kaffeehandels.

Die Kaffeeanbauregion Soconusco in Chiapas Im Folgenden präsentiere ich Ergebnisse des von der DFG finanzierten Forschungsprojekts „Kaffee-Welten“, das im letzten Jahr an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg abgeschlossen wurde. Ziel des Projekts war es, die Handelsnetzwerke zwischen Norddeutschland und Zentralamerika und die Biographien der Akteure im Kaffeehandel zu erforschen.

Kaffee-Welten in Norddeutschland und Zentralamerika

Hamburg und Bremen waren als Hafenstädte die wichtigsten Zentren der deutschen Kaffeewirtschaft. Schnell ergriffen norddeutsche Kaufleute die Gelegenheit, mit dem Genussmittel Geschäfte zu machen. Sie schlossen sich in Hamburg im Verein der am Caffeehandel betheiligten Firmen zusammen, der in der Speicherstadt seinen Sitz hatte. Dort befand sich auch die 1887 gegründete Kaffeebörse. Hier schlossen die Händler Geschäfte ab, beobachteten die Preisentwicklung, tauschen Gerüchte aus und schmiedeten Allianzen.
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Themenportal Viajeros Españoles

Biblioteca Cervantes: Viajeros Españoles

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Dazu passend diese Nachricht: Die Biblioteca Cervantes hat wieder einmal ein gut recherchiertes und mit einer Fülle von Materialien angereichertes Themenportal ins Leben gerufen. In ihrem neuesten Webprojekt Viajeros Españoles widmen sie sich den Reisen, die Spanier im Laufe der Geschichte unternommen haben, und bilden das vorhandene, zum Teil digitalisierte, Material dazu ab und verlinken relevante Informationen. Was man im Einzelnen dort finden kann, ist unter Presentación näher beschrieben und in diesen Worten zusammengefasst:

Esta página web pretende reunir, desde una óptica fundamentalmente literaria, el mayor número posible de textos sobre los viajes realizados por españoles a lo largo de la Historia por todo el mundo así como estudios que analizan estos viajes, además de una amplia galería de imágenes, enlaces de interés y una selecta recopilación de referencias bibliográficas.

Einen Einblick, was im Portal jeweils an neuen Dokumenten eingestellt wurde, finden Sie unter Últimos contenidos incorporados. Wieder einmal ein gelungenes Angebot. Vieles ist noch im Aufbau, doch Einiges gibt es schon zu entdecken. Schauen Sie doch mal rein.

[via @librodenotas]

100 Jahre japanische Immigration nach Brasilien: eine Ausstellung der National Diet Library Japan

Japanischer Brasilien-Fan

Japan und Brasilien verbindet ein besonderes Verhältnis. Diesen berechtigten Eindruck konnten Zuschauer des Endspiels der Fußballweltmeisterschaft 2002 zwischen Deutschland und Brasilien in Yokohama gewinnen. Im Stadion fand die brasilianische Mannschaft deutlich stärkere Unterstützung als die deutsche. Die Ursachen dafür? Viele der so ostasiatisch wirkenden Fans dürften besser portugiesisch als japanisch gesprochen haben und in vielen Fällen in Japan lebende und arbeitende Nachkommen japanischer Auswanderer nach Brasilien gewesen sein.

Die Geschichte der wechselseitigen Immigration ist gut einhundert Jahre alt. Ausgelöst durch das Ende der Sklaverei in Brasilien und große Armut vor allem der ländlichen japanischen Bevölkerung unterzeichneten die Regierungen 1907 ein Abkommen, in dessen Folge vor allem Ende der 20er / Anfang der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zahlreiche Japaner nach Brasilien auswanderten. Seit den 80er Jahren gibt es eine gegenläufige Bewegung. Politische und ökonomische Probleme in Brasilien veranlassten viele Brasilianer vor allem japanischer Abstammung zur Immigration nach Japan. Ein japanisches Gesetz aus dem Jahr 1990 erleichtert Ausländern japanischer Abstammung den Zugang zu Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen.

Als Folge der Immigration nach Brasilien lebt noch heute dort die weltweit größte Gruppe von Exiljapanern. Rund 1,5 Millionen Menschen vor allem in der Region um São Paulo verweisen auf ihre japanische Abstammung. Umgekehrt leben etwa 320.000 Brasilianer in Japan. Portugiesisch ist nach Chinesisch und Koreanisch die am dritthäufigsten gesprochene Fremdsprache in Japan.

Einem Teil dieser wechselseitigen Geschichte widmet seit dem 4. März die National Diet Library Japan eine neue virtuelle Ausstellung mit dem Titel 100 anos de imigração japonesa no Brasil bzw. ブラジル移民の 100 年. Die zweisprachige Ausstellung stellt in sieben Kapiteln mit rund 200 Exponaten (Fotos, Artikeln, Briefen etc.) die Geschichte der japanischen Immigration nach Japan vor. Seit 1984 sammelt die National Diet Library exiljapanische Materialien wie Briefe, Zeitungen, japanisches Kartenmaterial, Fotos nicht nur aus Brasilien, sondern auch aus Peru, Hawaii etc. Ressourcen dieser Sammlung ergänzt durch ausführliche erläuternde Texte und Beschreibungen bilden das Kernstück der Ausstellung.

National Diet Library: 100 anos de imigração japonesa no Brasil

Vorgeschichte – Vertragsunterzeichnung bis Beginn der Einwanderung – Bau japanischer Siedlungen – Übersiedlungshilfe durch das Innenministerium – Anwachsen des Nationalismus und Ablehnung japanischer Immigranten – Spaltung des exiljapanischen Gemeinschaft – Wiedervereinigung des exiljapanischen Gemeinschaft bis heute: Die sieben Kapitel beleuchten verschiedene zeitliche Abschnitte und Aspekte der japanischen Immigration nach Japan. Jedes Kapitel gliedert sich in weitere Unterabschnitte. Die historischen Dokumente sind als Bilder und Texte in die Ausstellung eingebunden. Eine Sammlung von Artikeln über verschiedene Randaspekte wie die Immigration und Kaffee, Baseball in Brasilien, oder Haikus von Exiljapanern runden im Verbund mit einem ausführlichen Literatur- und Quellenverzeichnis sowie einer Linksammlung die Ausstellung ab.

Auch außerhalb dieser Ausstellung seien die Seiten der National Diet Library mit ihren hervorragenden Sammlungen allen Nutzerinnen und Nutzern ans Herz gelegt.


Anne Barckow ist Übersetzerin für Japanisch und Koreanisch und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle des vascoda e.V.

Filmreihe zum Spanischen Bürgerkrieg

spanische Filmreihe zum Spanischen Bürgerkrieg im Kino Babylon

Heute Abend beginnt in Berlin eine spanische Filmreihe zum Spanischen Bürgerkrieg im Kino babylon, die bis Ende des Monats laufen wird: »70 Jahre später 1939 – 2009. Das Ende des Spanischen Bürgerkrieges«. Die Reihe gehört zum Rahmenprogramm der Ausstellung „Vom Spanischen Bürgerkrieg zum II. Weltkrieg“, die am 4. März 2009 im Willy-Brandt-Haus eröffnet wurde.

Das babylon zeigt aus Anlass des 70. Jahrestages des Endes des Spanischen Bürgerkrieges 13 spanische Spielfilme aus den Jahren 1989 bis 2007. Die Eröffnung wird mit Carlos Sauras Film „Ay, Carmela!“ am Fr, den 6.3. um 20:00 stattfinden.

Das Programm der Filmreihe mit Informationen zu den einzelnen Filmen sehen Sie auf der Website des Kinos babylon, sowie zum Ausdruck mit den wichtigsten Daten im Überblick auch in diesem PDF (840 kb). Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass der Eintritt frei ist!