Während sich die Debatte um künstliche Intelligenz und Literatur meist um das Schreiben selbst dreht, entfaltet sich in Frankreich ein ebenso scharfer Konflikt an einer anderen Stelle der Buchproduktion: der literarischen Übersetzung. Zwei Berufsverbände, ein EU-Gesetzgebungsprozess und eine französische Senatsinitiative zeigen, wie konkret diese Auseinandersetzung inzwischen geworden ist – und werfen Fragen auf, die die Übersetzungswissenschaft direkt betreffen.
Der Alarm der Übersetzerverbände
Bereits 2023 veröffentlichten die beiden großen französischen Verbände für literarische Übersetzung, ATLF (Association des traducteurs littéraires de France) und ATLAS (Association pour la promotion de la traduction littéraire), eine gemeinsame Erklärung mit dem Titel „IA et traduction littéraire: les traductrices et traducteurs exigent la transparence“. Ihre Position ist unmissverständlich: Übersetzung soll als intellektuelle, notwendige, nützliche und tief menschliche Tätigkeit verteidigt werden – ein Handwerk des Geistes, das von den Entwicklern der Software unabhängig bleiben muss, deren Namen „intelligent“ eine Untertreibung sei. Sie verlangen, dass vorübersetzte Texte als solche gekennzeichnet werden und vollständige Transparenz über bereits gängige Praktiken im Verlagswesen herrscht, und fordern zudem, dass öffentliche Förderungen ausschließlich menschlichen Schöpfungen vorbehalten bleiben und KI-generierte Kulturprodukte verpflichtend gekennzeichnet werden müssen.
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