Ab heute läuft in spanischen Kinos die Dokumentation „Ramón y Cajal: dibujos en la retina“ – ein guter Anlass, an eine faszinierende Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst zu erinnern.
Santiago Ramón y Cajal entdeckte 1888 die Neuronen als unabhängige Zellen des Nervensystems. Seine präzisen, kunstvoll gestalteten Zeichnungen dieser „Schmetterlinge der Seele” gingen weit über die Wissenschaft hinaus: Kunsthistoriker Jaime Brihuega nennt Cajal „einen Grundstein des spanischen Surrealismus”. In der von Cajal mitgegründeten Residencia de Estudiantes in Madrid lernten sich Federico García Lorca und Salvador Dalí kennen – und sahen dort die neurologischen Zeichnungen des Nobelpreisträgers. Motivisch schlugen sich diese in Lorcas und Dalís Werken nieder: Wurzelstrukturen, freigelegte Nerven, eine „ästética fisiológica”, wie Lorca es selbst nannte. Auch Luis Buñuels surrealistisches Frühwerk Un perro andaluz trägt Spuren von Cajals Laborarbeit.
Bitter-ironisch: Ramón y Cajal selbst verachtete den Surrealismus als „barbarische Entartung” – und inspirierte ihn doch entscheidend.

Lesen Sie dazu auch den sehr guten El País-Artikel von Manuel Ansede „De Cajal a Dalí y Lorca: los dibujos que revelaron la sustancia de la mente humana e inspiraron el surrealismo español“
(Falls Sie keinen Zugriff auf El País haben, hier noch einmal der Hinweis, dass Romanist:innen in Deutschland über den FID Romanistik Zugang zur Biblioteca Electrónica der Cervantes Institute bekommen können, die den Zugriff auf El País beinhaltet.)