Mesoamerika-Ringvorlesung an der Stabi Hamburg

Im vierten Semester in Folge lädt die Mesoamerika Gesellschaft Hamburg die interessierte Öffentlichkeit zur Ringvorlesung Mesoamerika in die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg ein. «Die Quellen des Wissens zu Mesoamerika» – «Kulturelle Identitäten im Spiegel gesellschaftlicher und politischer Prozesse» (April – Juni 2015):

Der letzte Teil der Ringvorlesung zur Mesoamerikanistik möchte einen Einblick geben in die verschiedenen Quellen, die zu Mesoamerika existieren. Die Vielfalt reicht von frühkolonialen, indigen beeinflussten Codexbüchern und lateinschriftlichen Dokumenten bis zu Reiseberichten; sie beeinhaltet orale Traditionen und archäologische Aufzeichnungen und schließt auch die Neuen Medien mit ein.

Die beiden kommenden Vorlesungen versprechen genau so interessant zu werden, wie die bisher an der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg gehaltenen Vorträge:

15. April ab 18:15 Uhr: Prof. Dr. Horst Pietschmann (Hamburg): Indigene Christianisierung und Criollismo in Neuspanien

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Drei Jahre nach der militärischen Eroberung der aztekischen Kapitale Tenochtitlan durch die Conquistadoren begann die geistige Bevormundung im Jahre 1524 mit der Ankunft von 12 Franziskanermönchen in Neuspanien. Weitere Ordensbrüder nahmen in Folge ihre Arbeit in der neuen spanischen Kolonie auf, die Dominikaner 1526, die Augustiner 1533 und die Jesuiten 1572. Ausgehend von den Klöstern der Ordensgemeinschaften im Tal von Mexiko, im Gebiet von Tlaxcala und Pueblo begannen systematische Missionierungen in die heutigen Bundesstaaten Michoacán, Jalisco und Guerrero, in den Norden nach Zacatecas und bis nach Sinaloa, in den Süden nach Oaxaca und bis nach Tehuantepec. Der Vortrag beleuchtet die kulturellen Entwicklungen in drei zentralen Bereichen Neuspaniens seit dem 16. Jahrhundert und thematisiert die Auswirkungen der Missionierungstätigkeit und die Einflüsse durch die Christianisierung indigener Identität bis hin zum ‘Criollismo’ des 17. Jahrhunderts.

30. April ab 18:15 Uhr: Prof. Dr. Ulrich Mücke (Hamburg): Rigoberta Menchú. Macht der Wahrheit. Wahrheit der Macht Update 27.04.2015: Leider entfällt der Vortrag über Rigoberta Menchú.

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Rigoberta Menchú Tum ist eine der bekanntesten Personen Guatemalas. Die indigene Friedensaktivistin erlebte im guatemaltekischen Bürgerkrieg die grausamen Menschenrechts-verletzungen hautnah in ihrer eigenen Familie. Als Gegnerin des Regimes unterstützte sie seit den späten 1970er Jahren die Unterdrückten. Auch nach ihrer Flucht nach Mexiko trat sie für die Rechte der Indigenen ein, und erlangte dank ihrer Arbeit und auch durch ihre Autobiographie zunehmend Popularität. Ehrungen wie der UNESCO-Preis für Friedenserziehung 1990, der Friedensnobelpreis 1992, und die Ernennung zur UNESCO-Sonderbotschafterin 1996 folgten. Eine Präsidentschaftskandidatur in Guatemala 2007 indes war nicht erfolgreich, wie auch ihre Anklage gegen Hauptverantwortliche des Bürgerkrieges im Jahre 1999, worauf sie bedroht und ihrerseits des Hochverrats bezichtigt wurde. Nicht zuletzt weil Menchús Angaben in ihrem “testimonio” umstritten sind, behandelt der Vortrag die kontroversen Debatten, die sich daran anschließen. Unter anderem geht es auch um die Frage, wer kraft welcher Legitimation in Fragen des Bürgerkriegs in Guatemala und den Menschenrechtsverletzungen insbesondere an den Indigenen das Wort ergreifen darf.

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