Marshall McLuhan und die Künstliche Intelligenz: „Das Medium ist die Botschaft”

Red de Humanidades Digitales: ¿La IA es el mensaje? Ein Denkanstoß zum Wochenende: Im Blog Red de Humanidades Digitales hat Jaime Ricardo Huesca (Universidad Veracruzana, México) einen interessanten Artikel unter dem Titel ¿La IA es el mensaje? veröffentlicht.

Der Kommunikationssoziologe Marshall McLuhan prägte Mitte der 1960er Jahre mit seinem Werk Understanding Media den Satz „Das Medium ist die Botschaft”. Seine These: Nicht allein die Inhalte, sondern die jeweils dominanten Medien und Technologien formen unser Denken, unsere Wahrnehmung und unsere gesellschaftliche Wirklichkeit. Jede Epoche wird von einem Leitmedium geprägt – vom Fernsehen über das Internet bis hin zu Streaming und Podcast.

Vor diesem Hintergrund stellt der Artikel die Frage, welche Rolle die Künstliche Intelligenz – falls sie das überhaupt schon ist – als neues Leitmedium spielt. KI-generierte Inhalte sind in sozialen Netzwerken und digitalen Räumen längst alltäglich. McLuhan zufolge ist Technologie stets eine Erweiterung des menschlichen Körpers – die KI wäre demnach eine Erweiterung unserer Kognition und unserer Fähigkeit, Wissen zu speichern und anzuwenden.

Wie jedes dominante Medium birgt auch die KI Risiken: McLuhan warnte vor einer „Narkose” gegenüber dem herrschenden Medium – einem Zustand der Abhängigkeit und kognitiven Betäubung. Im akademischen Bereich zeigt sich dies etwa in der zunehmenden Delegation von Recherche, Textproduktion und kritischem Denken an KI-Systeme. Wer kontrolliert das Medium, kontrolliert auch die Narrative und Wissensformen, die es erzeugt.

Der Artikel von Huesca plädiert für eine bewusste, kritisch-reflektierte Nutzung der KI, um kognitiver Passivität und einem Verlust intellektueller Autonomie entgegenzuwirken – eine Mahnung, die angesichts der rasanten Verbreitung generativer KI aktueller denn je erscheint.

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